REGULIERSYSTEME

Das Reguliersystem (die Reguliervorrichtung) ermöglicht die besonders genaue Einstellung (Regulierung, Reglage od. Adjustment) einer mechanischen Uhr, um deren täglichen Gang möglichst gering zu halten. Die Reglage wird von einem Regleur oder einer Regleuse, diese bilden einen eigenen Berufsstand, vorgenommen.

Um nun eine Uhr schneller oder langsamer gehen zu lassen, bieten sich grundsätzlich zwei Arten von Reguliersystemen an. Bei der einen Art wird die wirksame Länge der Spiralfeder verändert, bei der anderen das Trägheitsmoment der Unruh.

Methode der Änderung der wirksamen Spiralfederlänge

Die Längenänderung der Spiralfeder ist das am häufigsten verwendete System. Bei diesem wird die Spiralfeder, deren äußeres Ende im Spiralklötzchen befestigt ist, durch den Spiralschlüssel geführt. Dieser besteht aus zwei winzigen Stiften, zwischen denen die äußerste Windung der Spirale verläuft, wobei der Raum zwischen den Stiften durch eine kleine Nase verriegelt ist, um ein Herausspringen der Feder zu verhindern. Befestigt sind die Stifte auf der Unterseite eines kleinen, über die Spirale ragenden, Hebels, der Teil des Rückers ist. Der Rücker sitzt, mit seinem um das obere Unruhlager drehbaren Ring, auf dem Unruhkloben oder der Unruhbrücke. Durch Verdrehen des Rückers und damit des Spiralschlüssels lässt sich nun die wirksame Länge der Feder verändern, wobei die Unruh schneller schwingt, je kürzer die Spiralfeder ist und umgekehrt.

Um eine Verdrehung in kleinen Schritten zu ermöglichen, kann, gegenüber dem spiralschlüsseltragenden Hebel, ein Rückerzeiger auf dem Rückerring angebracht sein. Soll der Spiralschlüssel in die gewünschte Richtung verschoben werden, muss der Rückerzeiger in die entgegengesetzte Richtung bewegt werden. Zur einfacheren Bedienung werden diesbezüglich häufig entsprechende Skalen oder Beschriftungen auf dem Unruhkloben oder der Unruhbrücke angebracht.

Spiralschlüssel samt Rücker und Rückerzeiger (Kaliber AL-435)

Uhren Köck Lexikon Bild Reguliersystem-Rückerzeiger

© Alpina Watches S. A.

Damit der Rücker besonders präzise verdreht werden kann, sind manche Uhren mit einer diesbezüglichen Hilfskonstruktion, einer Feinreguliervorrichtung, ausgestattet. Die wichtigsten Konstruktionen sind:

Exzenter-Feinregulierung: Bei dieser Konstruktion sitzt zwischen den gabelförmig ausgebildeten Enden des Rückerzeigers ein Schraubenkopf, der exzentrisch auf seinem Stift befestigt ist. Die Verdrehung des Kopfs mit einem Schraubenzieher bewirkt eine kaum merkliche Bewegung des Rückers.

Exzenter-Feinregulierung auf der Unruhbrücke des Alpina-Kalibers AL-710

Uhren Köck Lexikon Bild Reguliersystem-Exzenterfeinregulierung

© Alpina Watches S. A.

Zeigerexzenter-Feinregulierung: In diesem Fall ist der Rückerzeiger gebogen und endet auch in einer kleinen Gabel. Zwischen deren Enden befindet sich ein exzentrisch auf einer Achse sitzender kleiner Zylinder, wobei die Achse mittels eines an ihr angebrachten kleinen Zeigers verdreht werden kann. Die Zeigerbewegung bewirkt die feine Verdrehung des Rückers.

Valjoux-Kaliber 7750 mit Zeigerexzenter-Feinregulierung

Uhren Köck Lexikon Bild Reguliersystem-Zeigerexzenterfeinregulierung

© POINT tec

Schwanenhals-Feinregulierung: Bei diesem System drückt eine um den Rückerzeiger herumgebogene Feder denselben gegen eine Schraube. Das dickere Ende der Feder ist mit dem Unruhkloben verschraubt und beherbergt auch die Führung der Stellschraube. Wird die Schraube in die Feder hineingedreht, bewegt sie den Zeiger und damit den Rücker. Beim Herausdrehen drückt die Feder den Rückerzeiger zurück. Da die Feder elegant geschwungen ist, war sie für dieses System namengebend.

Schwanenhalsfeinregulierung mit einer Stellschraubenunruh (Union-Kaliber)

Uhren Köck Lexikon Reguliersystem-Schwanenhals-Feinregulierung

© Wikimedia/GFP (gemeinfrei)

Duplex-Schwanenhals-Feinregulierung: Diese Vorrichtung ist immer auf einer Unruhbrücke montiert und besteht aus zwei gegenüberliegenden Rückerzeigern, die jeweils mit einem Schwanenhals-System zu regulieren sind. Diese Variante hält den Rücker sehr sicher und ermöglicht eine besonders feinfühlige Regulierung.

Spechthals-Feinregulierung: Diese Eigenentwicklung der Mühle-Glashütte GmbH funktioniert grundsätzlich nach dem gleichen Prinzip wie die Schwanenhals-Feinregulierung. Die wie ein Spechthals gebogene Feder ist jedoch vis-à-vis der Zeigerspitze mit dem Kloben verschraubt und drückt den Rückerzeiger nicht nur gegen die Regulierschraube, sondern auch auf den Kloben. Dabei greift die Feder in eine halbkreisförmige Ausnehmung des Zeigers ein. Die Konstruktion verhindert, dass der Rückerzeiger bei starker Erschütterung zwischen der Schraube und der Feder nach oben springt und seine Position verlässt.

Triovis-Feinregulierung: Eine Entwicklung der Firma Portescap (Le Porte Echappement Universal La Chaux De Fonds S. A.), bei der die Regulierschraube durch den Spiralklötzchenträger führt. Im Träger ist die Schraube lediglich ein glatter Bolzen, erst ihr herausragender Teil ist mit dem Gewinde versehen. Dieses greift in die außen auf dem Rückerring befindlichen Zähne. Dadurch wird der Rücker bewegt, sobald an der Schraube gedreht wird.

Methode der Änderung des Unruhträgheitsmoments

Wird das Trägheitsmoment einer Unruh verändert, so schwingt sie schneller oder langsamer. Die Veränderung geschieht durch Verlagerung des Unruhgewichts nach außen oder innen, wodurch der Drehradius der Unruh entsprechend angepasst wird. Die Konstruktionen sind:

Stellschrauben-Feinregulierung: Bei diesem Verfahren wird die Drehradiusänderung durch Stellschrauben, auch Regulier- oder Abgleichschrauben genannt, vorgenommen. Diese sind außen, radial in den Unruhreif eingeschraubt. Werden sie geringfügig herausgedreht, so vergrößert sich der Drehradius und die Unruh schwingt etwas langsamer. Sie schwingt schneller, wenn die Schrauben hineingedreht werden, wodurch sich der Radius verringert.

Dieses Verfahren wird auch mit dem der Änderung der wirksamen Federlänge kombiniert. So paart beispielweise Glashütte Original häufig Schraubenunruhen mit Schwanenhals-Feinregulierungen.

Microstella-Feinregulierung: Diese Konstruktion der Firma Rolex S. A. funktioniert im Prinzip genauso wie die Stellschrauben-Feinregulierung. An der Innenseite des Unruhreifs sind kleine Gewindestifte angebracht, auf denen winzige Rändelmuttern nach außen oder innen geschraubt werden können.

Gyromax-Feinregulierung: Dieses System wurde 1949 und 1951 von der Patek Philippe S. A. patentiert. Auf der Oberseite des Unruhreifs sind asymmetrische Reguliermassen angebracht. Werden diese verdreht, so ändert sich das Trägheitsmoment der Unruh.

Siehe auch unter GANG, REGULIERUNG, SPIRALFEDER bzw. UNRUH